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Geplant war es schon lange, nun ergab sich endlich die Gelegenheit einmal einen Groundhopping-Abstecher auf die Insel zu machen. Ganz nebenbei konnten wir damit die endlos erscheinende Winterpause etwas versüßen. Ziel war die Anfield Road, das legendäre Stadion des Liverpool FC (mittlerweile nur noch Vize-Rekordmeister Englands nachdem ManU vorbeigezogen ist). In den glorreichen Zeiten beider Vereine kam es 1973, 1976 und 1977 zu spannenden Spielen mit der SGD, bei denen am Ende die Reds immer die Nase vorn hatten und im Europapokal der Landesmeister eine Runde weiter kamen. Von solchen Zeiten träumend kamen wir am Freitag Abend in Liverpool an. Nach dem Checkin im Hotel, der eigentlich nicht unnötig lang dauern sollte, schließlich hatten wir Durst und die Pubs der Stadt warteten auf uns, endete nach einem kleinen dem übermäßigen Alkoholkonsum geschuldeten Gegängel der Abend für B.S. im Krankenhaus, der sich dort die klaffende Risswunde nähen lassen musste. Nebenbei sei erwähnt, dass es den entspannten Zollbeamten am Berliner Flughafen zu verdanken war, dass besagter Glückspilz überhaupt auf der Insel ankam. Vielleicht sollte er in Zukunft bei der Bekämpfung seiner Flugangst lieber eine andere Lösung finden.  Wir machten uns derweil einen schönen Abend im Nachtleben der Stadt. Am nächsten Tag stand nun das Spiel der Premiere League gegen Stoke City auf dem Program. Nach kurzen Stadtrundgang incl. kleiner sightseeing-Tour haben wir uns auf nach Anfield gemacht um dort schon ein paar Stunden vor Spiel im Pub die Atmosphäre zu genießen. Diese war auch astrein denn in den voll gerammelten Bierkneipen rund ums Stadion sang sich der enthusiastische Kop Choir warm. Ich muss wohl nicht näher beschreiben, wie das in den engen Räumlichkeiten zur Geltung kam... Nachdem wir einmal rund ums Stadion gelaufen sind, am Memorial der Hillsborough-Katastrophe von 1989 kurz inne gehalten und unseren Block ausgemacht haben, entschlossen wir uns noch schnell ein Bier zu naschen. In diesem Pub waren zahlreiche Stoke Fans kräftig dabei sich verbal mit den Liverpoolern vorort zu batteln. Wir genossen das akustische Duell bei nem frisch gezapften, herrlich! Dann gings also rein ins Stadion, wir saßen in der 5. Reihe und die Eckfahne war greifbar nah. Kein Zaun versperrt den Weg, kein Netz die Sicht, das wird´s in Deutschland wohl nie geben. Wie auch immer wir waren heiß auf´s Spiel und fieberten dem Anpfiff entgegen. Als dann die weltberühmte Hymne erklang war ich etwas irritiert, dachte ich doch immer, dass allein der Kop Choir diese vorträgt. Durch die Lautsprecher kam dieser aber nicht so zur Geltung, was die erste Enttäuschung der erwarteten Stimmung darstellte. Nun muss man hier gleich mal sagen, dass das Spiel leider äußerst trist war und mit dem wohl undankbarsten aller Ergebisse endete. So blieben uns also nicht nur große Torraumszenen oder gar Großchancen verwehrt, sondern auch nur ein einziges Törchen. Die Enttäuschung über den Spielverlauf und die dadurch resultierende nüchterne Stimmung wurde verstärkt dadurch, dass von der hitzigen Atmosphäre für die die Anfield Road bekannt war nicht viel zu spüren war. Man muss sogar den mitgereisten Stoke Fans zugestehen bessere und vor allem mehr Stimmung gemacht zu haben. Später erklärte mir ein Hardliner in einem der zahllosen Pubs, die wir noch ansteuerten, dass dies am immer mehr zunehmenden Fußball-Tourismus in Liverpool liege. Zugegeben, wenn ein Drittel des Stadions eine riesen Atmosphäre erwartet, aber die Plätze mit überteuerten Preise blockiert, wo eigentlich textsichere Einheimische sitzen kann dies nur stimmungshemmend sein. Außerdem gibt es in England bekanntermaßen nur Sitzplätze, was ein weiterer Stimmungskiller ist. Unterm Strich stand also ein ödes 0-0 und eine Atmosphäre im Stadion, die zwar aufzukochen scheinte wenn die Reds im Angriff waren und dann einen irren Geräuschpegel erreichte, aber die wohl zu hohe Erwartungshaltung nicht erfüllte. Die Tommies sind entgegen aller Beschreibungen äußerst kontaktfreudig, redseelig und aufgeschlossen und so verlebten wir noch einen tollen Abend im nächtlichen Liverpool. Ein kleines Denkmal haben wir uns im ersten Pub vorm Stadion noch gesetzt, so schmückt jetzt die unten zu sehende Dynamofahne mit der Aufschrift "Dynamofans Grenzland" die Decke der Fußballkneipe neben zahllosen Schals und Fahnen anderer Vereine. Die Bilder vom Groundhopping gibt´s demnächst in der Galerie...
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